Titel

Der große Krieg

Alliierte Rheinlandbesetzung

Mit dem Tod von Lorenz Bergmann endet die Auswanderergeschichte im engeren Sinne. Chiaras Sorgen leiten über zur Fortsetzung, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs und der Alliierten Rheinlandbesetzung spielt. Die Geschehnisse verlagern sich ganz nach Europa, die Familiengeschichte der Auswanderer und ihrer deutschen Angehörigen, erzählt in den "Geschichten aus der Preußischen Rheinprovinz", werden eins. Weiter geht es im Kapitel

Das Kapitel beginnt mit der Mobilisierung in Deutschland. Im folgenden eine sehr knappe Zusammenfassung der Zeit kurz vor Kriegsausbruch.

Triple Entente und Dreibund

Unter Wilhelm II. griff das Deutsche Reich offensiv in die Weltpolitik ein. Deutschland wollte seinen "Platz an der Sonne", so wie Großbritannien und Frankreich, und der Kaiser verkündete die deutschen Ansprüche auf Weltgeltung laut und säbelrasselnd. Der Boxeraufstand in China 1900 und der Aufstand der Nama und Herrero wurden blutig niedergeschlagen. Zugleich begann ein gewaltiges Flottenbauprogramm; eine imponierende Kriegsflotte sollte Deutschlands Gegner abschrecken. Großbritannien verbündete sich mit Frankreich zur Entente Cordiale, während Deutschland immer mehr in die Isolation geriet.

Als Frankreich 1905 seinen Einfluss in Marokko stärken wolle, nutzte Kaiser Wilhelm II. eine seiner vielen Reisen und ritt selbst in Tanger ein, um dem Sultan von Marokko den Rücken gegen Frankreich zu stärken. Doch auf der anschließenden Konferenz von Algeciras schlugen sich England, Russland, die USA und sogar Italien auf Frankreichs Seite, allein Österreich-Ungarn unterstützte Deutschland - eine arge Schlappe für die Außenpolitiker in der Berliner Wilhelmstraße, die gehofft hatten, die Entente auseinander zu bringen.

Großbritannien baute nun seine Schlachtflotte weiter aus. Zu allem Übel aus deutscher Sicht fanden England und Russland einen Ausgleich über ihre kolonialen Interessen in Zentralasien, mit dem Anschluss Russland 1907 an England und Frankreich entstand die "Triple Entente". Zuletzt konnte Deutschland nur noch auf Österreich-Ungarn zählen. Die Donaumonarchie aber drohte auseinanderzubrechen.

Schüsse in Sarajevo

Unentwegt hatte der österreichische Generalstabschef Hötzendorf in den vergangenen Jahren einen Präventivkrieg gegen Serbien gefordert. Das junge, stolze und durch die Balkankriege 1912/13 stark vergrößerte Königreich Serbien wollte alle Südslawen in einem Land vereinen, und das bedrohte die Existenz des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn.

Am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Ehefrau Sophie Chotek in Sarajevo von dem bosnischen Studenten Gavrilo Princip erschossen. Die Spuren führten nach Serbien, zu einer radikalen nationalistischen Geheimorganisation. Während man nach außen den Sommer feierte, tanzte und lachte, liefen die Unterhandlungen in Wien und Berlin auf Hochtouren. In Wien setzte sich die Kriegspartei durch. Kaiser Wilhelm II. gab dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I. einen "Blankoscheck" in die Hand. In einem Schreiben des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg an den deutschen Gesandten in Wien vom 6. Juli hieß es, "Kaiser Franz Joseph könne sich darauf verlassen, dass S.M. im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns stehen werde."

Juli-Krise

Den Juli hindurch gibt es eine rege diplomatische Vermittlertätigkeit zwischen den Hauptstädten Europas, der englische Außenminister Sir Grey will Verhandlungen in Gang bringen. Doch am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn Serbien ein sehr scharf formuliertes Ultimatum. Obwohl die serbische Regierung auf fast alle Forderungen einging und sogar Wilhelm II. einlenkte, erklärte Österreich-Ungarn Serbien am 28. Juli den Krieg. Am 30. Juli machte Russland mobil, daraufhin unterzeichnete Wilhelm II. die Proklamation drohender Kriegsgefahr. Am 1. August erklärte Deutschland Russland, am 3. August an Frankreich den Krieg.