Hungerkatastrophe 1817/20

Nach dem Sieg über Napoleon kam das Rheinland zu Preußen. Obwohl das Großherzogtum Berg auch wirtschaftlich eng an Frankreich gebunden war, hatte Napoleon während der Kontinentalsperre seinen Niedergang in Kauf genommen.

Realteilung

Nach über 20 Jahren Krieg war das Leben auf dem Land sehr hart. Viele Böden waren ruiniert, die Erträge reichten kaum zum Leben. In vielen Gegenden galt auch zur Franzosenzeit Realteilung, das heißt der Landbesitz wurde unter allen Erbberechtigen gleich aufgeteilt. So zersplitterte der Grundbesitz immer mehr, die Äcker wurden immer kleiner und konnten eine Bauernfamilie kaum mehr ernähren. Viele Kleinbauern arbeiteten daher als Tagelöhner oder Handwerker.

Jahr ohne Sommer

Im Winter 1816/17 kam es nach mehreren Missernten zu einer Hungerkatastrophe. Heute wissen wir, dass es mit dem Ausbruch des Tambora-Vulkans in Indonesien im April 1815 zu tun hatte. Das Jahr 1816 gilt als „Jahr ohne Sommer“, auf der ganze Welt wurde es bis 1819 sehr kalt. Katastrophalen Missernten und Hungerkrisen folgten. Die Not trieb viele Menschen aus ihrer Heimat fort; in den Jahren 1817/20 kam es zur ersten Massenabwanderung nach Amerika.

Heimindustrie gegen Industrieprodukte

Damals lebten viele Menschen von der Heimindustrie. Kapitalkräftige Unternehmer stellten das Rohmaterial; in Heimarbeit wurden u.a. Nägel und Messer hergestellt, gesponnen und gewebt. Auch Kleinbauer-Familien, deren Böden nicht mehr alle ernährten, verdienten sich ihren Lebensunterhalt durch Heimarbeit.

Nun kamen verstärkt Industrieprodukte aus England nach Deutschland, und auch hier begann die Industrialisierung. Im Königreich Preußen waren die Rheinprovinz, Berlin und Schlesien schon früh industrialisiert. Doch bis auf wenige Spezialbetriebe konnte die Heimindustrie der billigeren Industrieware nicht standhalten. Auch vielen Handwerkern drohte die Verarmung, vor allem denen, deren Produkte mit der Industrie konkurrierten.

Abwanderung in die Industrie

Unzählige verarmte Bauern und arbeitslos gewordene Handwerker zogen in die Industriezentren. Sie hofften, in den Fabriken Arbeit zu finden, und das drückte wiederum die Löhne. Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter gegen die Ausbeutung gab es nicht, und die Lebensverhältnisse waren  verheerend. Trotz anstrengendster Arbeit waren viele Menschen nicht mehr in der Lage, den Lebensunterhalt für sich und ihren Familien zu sichern.

Auswanderung, gar Abschiebung nach Amerika

Für viele notleidenden Menschen wurde die Auswanderung eine Alternative zur Hoffnungslosigkeit daheim, ab 1820 stieg die Zahl der Auswanderer immer stärker an. In den 1830er und 1840er Jahren gingen Gemeinden in Südwestdeutschland so weit, unterstützungsbedürftige Arme nach Amerika abzuschieben.

Reisedauer

Im frühen 19. Jahrhundert waren die Auswanderer auf sich alleine gestellt.  Zu Fuß, auf Pferdefuhrwerken oder Kähnen schlugen sie sich von ihrem Heimatort zu einem der großen Häfen durch. Erst dort konnten sie sich um eine Schiffspassage kümmern, und mussten mit vielen andere Auswanderer irgendwo Unterkunft und Verpflegung finden, bis ihr Schiff ablegte. Seit 1822 gab es eine regelmäßige Verbindung von Bremen und New York, die Überfahrt dauerte an die sechs Wochen.

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