Bergmanns ziehen fort

[Rheinland, um 1815] Hunger und Not in Berg, Beginn der Massenemigration.

Restauration (1815-1848)

Nach dem Sieg über Napoleon stellten die Staatsmänner Europas auf dem Wiener Kongress die alte Ordnung wieder her. Das Rheinland kam zum Königreich Preußen. Eine Zeit der Restauration begann. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen fühlte sich nicht mehr an sein Versprechen gebunden, seinem Volk eine Verfassung zu geben. Für Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich bedeuteten Meinungsfreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit und das Streben nach nationaler Einigkeit Unruhe und Gefahr für die Sicherheit, und so unterdrückte er sie mit aller Gewalt. Nun wurden die Burschenschaften* verboten, Professoren und Studenten vom Staat überwacht, Zeitungen und Bücher zensiert. Verdächtige Personen wurden als Demagogen verfolgt; unter ihnen waren auch verdiente preußische Staatsmänner und Militärs.

Das Deutschland jener Jahre war ein loser Staatenbund, der „Deutschen Bund“. Seine oberste Behörde war der Bundestag in Frankfurt. In ihm saßen nicht, wie heute, frei gewählte Volksvertreter, sondern Gesandte der einzelnen Bundesstaaten, den Vorsitz hatte Österreich. Die Monarchen waren zufrieden, doch viele Menschen waren tief enttäuscht.

Hunger und Not (1815-1848, Europa)

Nach über zwanzig Jahren Krieg war besonders das Leben auf dem Land war sehr hart: viele Böden waren ruiniert, die Erträge reichten kaum zum Leben, es gab fast keine medizinische Versorgung und die Kindersterblichkeit war sehr hoch. Nach mehreren Missernten* kam es im Winter 1816/17 zu einer Hungerkatastrophe. Die Not trieb viele Menschen aus ihrer Heimat fort; in jenen Jahren kam es zur ersten Massenabwanderung nach Amerika.

Auch Hedy Bergmann hatte große Sorgen, sie wusste, dass ihr Hof nicht mehr die ganze Familie ernähren konnte.

Bergmanns ziehen fort

Immer wieder dachte sie an Johanns Angebot, zu ihm nach Amerika zu kommen. Sie wusste, dass sie auf ihn zählen konnte, und doch fiel der Schritt ihr schwer. Heinrich beschwor sie: „Mutter, ich liebe meine Heimat, in den schlimmen Monaten in Russland hat mich der Gedanke an Dich und an daheim am Leben erhalten. Aber schau‘ Dich um, wie sollen wir alle satt kriegen? Wenn wir den Hof an Onkel Ewald übertragen, hat wenigstens er mit seiner Familie genug, und wir bauen uns drüben in Amerika bei Johann und Laurie ein neues Leben auf. Und das verdienen wir, Mutter, ein Leben! Drüben, in der Neuen Welt, haben sie es sogar in die Unabhängigkeitserklärung geschrieben. Life, Liberty and the Pursuit of Happiness, das gilt für alle Menschen! Und alle Menschen sind gleich geschaffen!“

Sein Bruder Niklas hatte die ganze Zeit geschwiegen. Wie sollte er mit seinem steifen Bein der Familie noch helfen können? Schließlich sagte er: „Mutter, Heinrich hat Recht, Ihr beide solltet Euch bei Johann ein neues Leben aufbauen.“ Heinrich ahnte, was in seinem Bruder vorging. „Wir drei oder keiner“, sagte er entschieden, „und Du, mein Bruder, Du wirst zeichnen und schreiben. Erinnere Dich, wie Du noch im Feld viele Kameraden gezeichnet hast, für manche hast Du sogar die Briefe geschrieben. Wie viele hätten ohne Dich kaum mit ihren Familien in Kontakt bleiben können? Glaube bloß nicht, dass ein Mann mit einem wehen Bein anderen nichts mehr geben kann! Natürlich kommst Du mit!“

*  Studentenverbindungen
** Heute wissen wir, dass es mit dem Ausbruch des Tambora-Vulkans in Indonesien zu tun hatte. Der Ausbruch bewirkte globale Klimaveränderungen; das Jahr 1816 gilt als „Jahr ohne Sommer“

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*