Flucht vor den Nazis 1933

Seit der „Machtergreifung“ Hitlers am 30. Januar 1933 waren die deutschen Juden ihres Lebens nicht mehr sicher. Das galt auch für Menschen, die in den Jahren der Weimarer Republik aktiv gegen den Nationalsozialismus gearbeitet hatten. Besonders gefährdet waren linke Politiker, Künstler, Wissenschaftler und überhaupt Republikaner. Menschen, die früh genug die Gefahr erkannten und über die nötigen finanziellen Mittel verfügten, verließen Deutschland.

Weltwirtschaftskrise 

Doch 1933 war die nicht-sowjetische Welt noch in der verheerenden Weltwirtschaftskrise gefangen, Millionen Menschen waren arbeitslos. In dieser Notlage wollten andere Staaten nicht auch noch mittellose Immigranten aufnehmen und versorgen. Allein die USA nahmen eine größere Anzahl von jüdischen Emigranten auf, sofern diese ein „Affidavit of support“ vorlegen konnten. Das war eine Bürgschaft, in der ein in den USA lebender Verwandter garantierte, dass er den Neuankömmling unterstützte. 

1933 verließ der Naturwissenschaftler Albert Einstein Deutschland, im selben Jahr folgten die Schriftsteller Thomas Mann und Bertolt Brecht. Marlene Dietrich war da schon in Hollywood und lehnte alle Angebote Goebbels‘ ab. Auch Billy Wilder, geboren im einst österreichischen Galizien, verließ Deutschland.

George Grosz

Verfolgen wir hier einmal George Grosz, den deutsch-amerikanischer Maler, Grafiker und Karikaturist, der uns vor allem durch seine sozial- und gesellschaftskritischen Gemälde und Zeichnungen aus den 1920er-Jahren bekannt ist.

Kathi, eine der Heldinnen aus „200 Jahre Rheinprovinz“, liebte Grosz‘ Werke. Vielleicht war „lieben“ der falsche Ausdruck, denn die Wirklichkeit, die er so schonungslos und pointiert darstellte, konnte man nicht lieben. Überspitzt scharf und provokativ zeichnete Grosz verletzte, verkrüppelte Veteranen und Menschen mit Prothesen, Prostituierte, Politiker, fette Kapitalisten und Profiteure, boshafte alte Generäle und dekadente Lebemänner. Da sah man Menschen, die sich mühsam irgendwie durchschlagen müssen, und solche, die ihren Reichtum zur Schau stellen. Da waren revolutionäre Arbeiter, die von Reichswehrtruppen erschlagen wurden. Mit künstlerischen Mitteln rechnete da jemand ab mit den herrschenden Schichten der bürgerlichen Gesellschaft, ihrer Selbstgerechtigkeit und Verlogenheit.

1932 hatte Grosz für einen Lehrauftrag der  New Yorker Art Students League in den USA gewesen. Ihm war bewusst, dass die Republik am Ende war, dass er als engagierter linker Künstler in großer Gefahr war, und entschloss sich, Deutschland  zu verlassen. Am 12. Januar 1933 ging sein Schiff in die USA; seine Kinder folgten im Oktober.

Sofort nach der Machtergreifung der Nazis Ende Januar wurde sein Atelier gestürmt, wenige Wochen später wurde er ausgebürgert. Erst 1959 kehrte er auf Drängen seiner Frau nach Deutschland zurück. Nur wenige Wochen später starb er in seiner Geburtsstadt Berlin.

In der Geschichte „200 Jahre preußische Rheinprovinz“ gehen auch Kathi und ihr Mann Max mit ihren Kindern Anfang 1933 in die USA. Sie leben bei ihren Verwandten auf deren Weingut im Shennadoah Valley.

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