Der besiegte Süden

[Amerika, 1865] Der Süden wird von Militärs regiert, Kriegsgewinnler kommen.

In einem erbittert geführten Bürgerkrieg siegten am Ende die Nordstaaten. Keinem war nach Feiern zumute, zu tiefe Wunden hatte der Krieg gerissen.

Nach dem Krieg

Annelie graute bei dem Gedanken an General Sherman und seine Politik der verbrannten Erde in Georgia. Der Süden .. für sie begann er ganz in der Nähe, bei ihren Brüdern Joseph und Ben in Virginia und all den Menschen, mit denen sie aufgewachsen war. Sie alle brauchten sie jetzt. Lebensmittel, Saatgut, Werkzeug .. bald hatte Annelie eine lange Liste aufgestellt, wenig später stand die erste Wagenladung zum Transport nach Virginia bereit. Mit Amber an ihrer Seite machte sie sich auf dem Weg.

Noch immer war der „Merry Dragon“ ein Lazarett. Einer der letzten Patienten war ein Captain der Unionsarmee. Lorenz hatte oft mit überlegt, wie es nun weitergehen sollte. Präsident Abraham Lincoln wollte dem Süden gegenüber Milde walten lassen, doch er wurde am Karfreitag 1865 ermordet, ein schwerer Schlag. „Der Krieg ist vorbei, aber wir haben noch keinen Frieden“, sagte der Captain, „da ist so viel Hass.“

Endlich kam der Tag, an dem der Captain sich auf den Weg nachhause machen konnte. Lorenz war überrascht, als auf einmal ein Dutzend Mann vor dem „Merry Dragon“ standen, doch der Captain strahlte über das ganze Gesicht. „Das sind Ingenieure und Handwerker aus meiner Einheit“, sagte er voller Stolz, „wir gehen erst einmal ins Shenandoah-Tal und helfen Eurer Familie beim Wiederaufbau!“ Lorenz war verdattert und tief gerührt. „Aber .. aber“, stammelte er, „das ist in Virginia, im Süden!“ Der Captain lächelte. „Wir waren uns doch einig“, sagte er, „es ist an der Zeit, die Wunden unseres Landes zu heilen.“

Emil und Lena kommen

Einige Tage später bekam Lorenz einen Brief aus Deutschland. All seine Verwandten und Freunde am Rhein hatten um sie gebangt, und trauerten um Heinrich und Rebekka. Sie alle hatte Geld gespart, damit Lorenz‘ Cousin Emil und seine junge Frau Lena, die Winzer, nach Amerika reisen und beim Wiederaufbau des Weinguts helfen konnten. Auch Sophie und ihr Verlobter Andras wollten nicht Hochzeit feiern, während ihre Verwandten in den Vereinigten Staaten litten.

Carl Schurz‘ „Report on the condition of the South“

Im Bürgerkrieg hatte Schurz in der Freiwilligenarmee für die Union gekämpft. Gleich nach dem Krieg schickte Präsident Andrew Johnson ihn zu einer Erkundigungsreise in den Süden. Überall fand er Zerstörung und Verwüstung, die die Menschen dort auf Jahre in Armut stürzte. Viele der alten Eliten hatten sich nur der Waffengewalt gebeugt und waren nicht willens, sich mit der neuen Ordnung abzufinden, vor allem nicht, die ehemaligen Sklaven als Mitmenschen und Bürger desselben Landes zu sehen. All stand in seinem Bericht „Report on the Condition of the South“, den der Präsident aber nicht lesen wollte. Erst auf Anforderung des Senats wurde der Bericht öffentlich.

Die Hardliner setzten sich durch. Der Süden wurde militärisch besetzt und von Militärgouverneuren regiert. Noch mehr Übel brachten die Kriegsgewinnler, die „Carpetbaggers“, die aus der Niederlage des Südens noch Profit schlagen wollen. Im tiefen Süden terrorisierte der Ku-Klux-Klan ehemalige Sklaven und Menschen, die ihnen helfen wollen. In Washington regierte das „Beutesystem“ – die Staatsbeamten wurden nach Partei-zugehörigkeit eingestellt und entlassen, nicht nach Eignung. Unter Präsident Ulysses S. Grant nahm die Korruption überhand und auch der Präsident selbst war tief darin verstrickt. Es kam zum Bruch zwischen dem republikanischen Präsidenten und dem republikanischen Senator.

Bildnachweis
Das Bild ist aus der Deutschen Wikipedia, public domain section.

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