Auswanderungswelle 1864-73

Zur Mitte des Jahrhunderts wurde die Auswanderung nach Nordamerika zur Massenbewegung, mit Spitzenwerten in den Jahren 1864-1873.

In Deutschland verdreifachte sich die Bevölkerung, die Kindersterblichkeit war gesunken. Aber es gab viel Armut und Bismarcks Kriege.

Vom Agrarland zur Industriegesellschaft

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wandelten sich die landwirtschaftlich geprägten deutschen Staaten zu Industriegesellschaften. Ab den 1850er Jahren sprechen wir auch in Deutschland von der Industriellen Revolution.

Immer mehr Menschen suchten Arbeit in den Fabriken. Da waren Handwerksmeister, die ihren Betrieb hatten aufgeben müssen, und Gesellen, die dadurch ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Dann Tagelöhner und Söhne von Kleinbauern, denen die Landwirtschaft zu geringe Verdienstmöglichkeiten bot. In Gebieten, wo die Realteilung galt, war es besonders schlimm.  Eine neue Bevölkerungsschicht entstand, die Industriearbeiterschaft. In vielen Gegenden entstanden neue Großstädte. Die Wohn- und Arbeitsbedingungen hier waren oft erbärmlich, und breite Schichten der Bevölkerung verarmten.

Arbeitswanderung und Familiennachzug

Nach der Reichsgründung hatte es einen Boom gegeben. Doch die Weltwirtschaftskrise von 1875 traf auch Deutschland hart, unzählige  Menschen verloren ihr erspartes Kapital. Viele kleine Handwerker und Geschäftsleute fürchteten den sozialen Abstieg, weil sie gegen die industrielle Konkurrenz nicht mehr ankamen.

Immer mehr Menschen suchten ihr Glück in den Vereinigten Staaten; in den Jahren zwischen 1865 und 1890 reisten über 10 Millionen Menschen über den Atlantik. Sie alle hofften auf ein besseres Leben in der „Neuen Welt“. Nun waren es vor allem Arbeiter aus Industrie und Landwirtschaft, Dienstmädchen, städtische Handwerker und Kaufleute. Nach ihrer Ankunft in den USA arbeiteten sie über Jahre sehr fleißig und sparten ihren Verdienst, damit sie ihre Familien nachholen oder eigenes Land erwerben konnten.

In New York wurden von 1855 an alle ankommenden Einwanderer durch das Landungsdepot in Castle Garden an der Südspitze Manhattans geschleust. 1850-1869 kamen über ein Drittel aller Einwanderer aus Deutschland. Viele von ihnen ließen sich im wirtschaftlich aufstrebenden Mittleren Westen nieder. Die Städte Cincinnati, Milwaukee und St. Louis  galten als das „German Triangle“.

Dampfschiffe, Fahrpläne, Auswanderungsagenten

Seit den 1850er Jahren gab es fahrplanmäßig verkehrende Dampfschiffe auch für den Transport von Auswanderern in einem eigens hierfür geschaffenen sogenannten Zwischendeck. Mit den neuen Schiffen verkürzte sich die Überfahrt auf acht Tage.

In den 1860ern stieg Hamburg zu einem bedeutenden Auswandererhafen auf. Von hier ging es zunächst nach England, zum Beispiel Liverpool,  und dort weiter auf eines der großen Überseeschiffe nach Amerika.

Hauptberufliche Auswanderungsagenten agierten als Vermittler zwischen den Auswanderern und den Schifffahrtslinien. Am Rhein waren Mannheim, Mainz und Köln Zentren lizenzierter  Agenturen. Köln war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Rheinschiffe und Eisenbahnlinien, deshalb unterhielten alle bedeutenden Schifffahrtslinien Europas hier Inlandsagenturen.

Auswandererhaus Bremerhaven

In Bremenhaven entstand 1849/50 das Auswandererhaus zur Versorgung und Unterbringung von 1.500 bis 2.000 Menschen. Doch schon bald war es dem Andrang nicht mehr gewachsen, 1853 brach Cholera aus. Als 1855 die Bahnstrecke von Bremen nach Bremerhaven eröffnet wurde, konnten die meisten Auswanderer genau zum Tag des Ablegens anreisen. Immer weniger hatten einen Zwischenaufenthalt in Bremerhaven, das Auswandererhaus trug sich nicht mehr. 1864 wurde es geschlossen.

Zu den Prärien

Nach dem Endes des Bürgerkriegs in den USA zogen noch mehr Siedler nach Westen. Die „frontier“, die Grenze zum offenen, „unzivilisierten“ Land, wurde immer weiter Richtung Kalifornien verschoben. Bald erschlossen Eisenbahn und Postkutschen den Westen.

1862 hatte die US-Regierung das Heimstättengesetz (Homestead Act) erlassen. Jede Familie konnte gegen eine geringe Gebühr im Westen 65 Hektar Land bekommen, wenn sie darauf siedelte und es mindestens fünf Jahre bestellte. Viele Menschen nahmen das Angebot an, und überall in der mittelamerikanischen Prärie und im Westen entstanden neue Städte.  Doch das Land, das die Regierung so billig verkaufte, nahm sie den amerikanischen Indianern weg und verbannte sie in Reservate.

1873 benannte die Northern Pacific Railway die Stadt Edwintown in Nord-Dakota um, nun hieß sie „Bismarck“. Dies geschah nicht nur zu Ehren des deutschen Kanzlers Otto von Bismarck, vielmehr wollte die Eisenbahnlinie deutsche Einwanderer in die Region holen und sich für deutsche Investitionen empfehlen.

Als dann in den nahe gelegenen Schwarzen Bergen in Süd-Dakota Gold gefunden wurde, strömten Tausende von Goldsuchern in die Region. Es war die Zeit des Wilden Westens, als immer mehr Rancher, Siedler, aber auch Glückritter und Banditen in das noch offene Land zogen.

Doch für die Sioux-Indianer waren die Schwarzen Berge Heiliges Land. Das verschärfte die Spannungen, und ein neuer Krieg brach aus. Am 25. Juni 1876 wurde die 7. Kavallerie unter General Custer am Little Big Horn von den Sioux vernichtet. In die Jahre 1862 bis 1890 fällt die letzte Phase der Indianerkriege.

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