Carl Schurz, der Staatsmann

Carl Schurz zur Zeit des Lincoln-County-Kriegs
Carl Schurz zur Zeit des Lincoln-County-Kriegs

Amerika, um 1870/80. Carl Schurz, der 1848er Revolutionär, war nun Secretary of the Interior im Kabinett von Präsident Hayes. Im Westen tobte der Lincoln Country Krieg.

Schurz lebte nun in St. Louis, Missouri. Er liebte seine neue Heimat, hier sollte alles Wirklichkeit werden, wofür er schon damals in Deutschland gekämpft hatte.

Senator (1869-1875, Amerika)

In Missouri war er zum Senator gewählt worden, und für einen eingewanderten US-Amerikaner war dies das höchstmögliche Staatsamt. Doch bald sah er die Schattenseiten der amerikanischen Politik. In Washington regierte das „Beutesystem“, das heißt die Staatsbeamten wurden nach Parteizugehörigkeit eingestellt und entlassen, nicht nach Eignung. Unter Präsident Ulysses S. Grant nahm die Korruption überhand und auch der Präsident selbst war tief darin verstrickt. Schließlich kam es zum Bruch zwischen dem republikanischen Präsidenten und dem republikanischen Senator.

Secretary of the Interior (1877, Amerika)

Im selben Jahr berief der neue Präsident Rutherford B. Hayes (1877-81) Carl Schurz als „Secretary of the Interior“ in sein Kabinett. Aber welch schwere Aufgaben lagen vor Schurz! Als er sein Amt antrat, ging es ihm vor allem um eine gründliche Verwaltungsreform.

Doch schon bald wurde ihm klar, dass sein drängendstes Problem die Indianerfrage war. Ein Jahr zuvor, am 25. Juni 1876 am Little Big Horn, hatten die Sioux war die 7. Kavallerie unter General Custer vernichtet. Seither war der Hass auf die Indianer groß. Im Südwesten führten Geronimos Apachen einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Weißen.

Schurz schrieb dazu später: „Die Geschichte unserer Beziehung zu den Indianern besteht zum großen Teil aus gebrochenen Verträgen, ungerechten Kriegen und grausamer Ausbeutung.“*

Abwenden konnte er das tragische Ende der Indianer nicht, obwohl er sich unermüdlich für eine faire Lösung einsetzte und dabei oft genug zwischen die Mühlsteine geriet. Wenigstens blieb die Indianerfrage als zivile und Verwaltungsaufgabe bei seinem Ministerium anstelle des Kriegsministeriums. Doch für das freie, ungebundene Leben der Indianer blieb kein Raum mehr.

Es war die Zeit des Wilden Westens, als immer mehr Rancher, Siedler, aber auch Abenteurer und Banditen in das noch immer offene Land zogen. Im Lincoln County, Neu-Mexiko, tobte ein Weidekrieg. Billy the Kind hatte den Mord an seinem Wohltäter gerächt und war nun auf der Flucht. Der amtierende Gouverneur Axtell war eine Fehlbesetzung und galt als korrupt. Als Secretary of the Interior ordnete Schurz eine Untersuchung der Amtsführung Axtells als Gouverneur an. Sie brachte so viel Korruption hervor, dass Schurz Axtell suspendierte. Zum Nachfolger ernannte Präsident Rutherford B. Hayes General Lew Wallace, der schon an seinem Roman „Ben Hur“ schrieb.

Elder Statesmann

President Hayes bewarb sich nicht um eine zweite Amtszeit. Schurz wandte sich wieder dem Journalismus zu, und er zog nach New York. Er blieb ein starker und engagierter Kämpfer für ehrliche Regierungsführung und ermutigte die reformorientierten Republikaner, die sogenannten Mugwumps.

* Bancroft, Speeches IV., S. 116. Zitiert aus: Rudolf Geiger, der deutsche Amerikaner, Seite 282.

Bildnachweis
Das Bild ist aus der Deutschen Wikipedia, public domain section.

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